Modul 5: Ernährung im Sport

Hydration & Elektrolyte: Wann, was und wie viel trinken?

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Hydration & Elektrolyte: Wann, was und wie viel trinken?

„Trinke viel!" – dieser gut gemeinte Ratschlag klingt simpel, ist aber beim Laufen nuancierter als gedacht. Ja, Dehydrierung beeinträchtigt die Leistung erheblich. Aber auch zu viel Trinken kann gefährlich werden. Elektrolyte sind einerseits entscheidend, andererseits für kurze Läufe irrelevant. Was stimmt nun? In diesem Artikel sortieren wir die aktuellen Empfehlungen und geben dir praktische Orientierung – für den lockeren Mittwochs-Social-Run genauso wie für deinen nächsten Halbmarathon oder Marathon.

Dehydrierung: Ab wann wird es kritisch?

Der Körper eines durchschnittlichen Erwachsenen besteht zu etwa 60 Prozent aus Wasser. Schon geringe Flüssigkeitsverluste beeinflussen die körperliche Leistungsfähigkeit. Die Forschung zeigt konsistent: Ab einem Flüssigkeitsverlust von 2 Prozent des Körpergewichts sinkt die aerobe Leistungsfähigkeit messbar – um bis zu 20 Prozent bei Ausdauerbelastungen. Für einen 70-Kilogramm-Läufer sind das 1,4 Liter Schweißverlust. Bei hohen Temperaturen und intensivem Laufen kann die Schweißrate 1,5 bis 2,5 Liter pro Stunde betragen – das ist schnell erreicht.

Symptome leichter Dehydrierung beim Laufen: Mundtrockenheit, leichter Kopfschmerz, erhöhter Herzschlag bei gleicher Geschwindigkeit, frühere Erschöpfung. Der einfachste alltagstaugliche Dehydrierungscheck ist die Urinfarbe: Hellgelb (wie Limonade) bedeutet gute Hydration, dunkelgelb (wie Apfelsaft) signalisiert Flüssigkeitsmangel, klar bedeutet möglicherweise zu viel getrunken.

Das unterschätzte Risiko: Hyponatriämie

Weniger bekannt, aber beim Marathon und Ultralauf relevanter als Dehydrierung ist die Hyponatriämie – auch als „Überhydrierung" bekannt. Sie entsteht, wenn der Natriumspiegel im Blut durch übermäßige Wasserzufuhr gefährlich absinkt. Symptome: Übelkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, im Extremfall Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit.

Auslöser: Läufer, die nach einem festen Trinkplan trinken (z. B. „alle 15 Minuten einen Schluck") und dabei deutlich mehr zu sich nehmen als sie durch Schweiß verlieren, besonders bei langsamem Tempo und kühlen Temperaturen. Studien von Marathons belegen, dass Hyponatriämie unter Finishern tatsächlich häufiger auftritt als klinisch relevante Dehydrierung. Die aktuelle Empfehlung der führenden Sportmedizingesellschaften: Trinke nach Durst, nicht nach starrem Schema.

Elektrolyte: Wann sie wirklich wichtig werden

Beim Schwitzen verliert der Körper nicht nur Wasser, sondern auch Elektrolyte – gelöste Mineralsalze, die für Nervenleitung, Muskelkontraktion und Flüssigkeitsbalance essenziell sind. Das wichtigste Elektrolyt beim Laufen ist Natrium: Es wird in erheblichen Mengen über den Schweiß ausgeschieden, und sein Verlust ist der Hauptgrund für Muskelkrämpfe und Hyponatriämie.

Die Natriumkonzentration im Schweiß variiert stark zwischen Individuen: 200 bis 2000 Milligramm pro Liter – ein erheblicher Bereich. „Starke Schweißer" erkennt man oft daran, dass ihre Kleidung nach dem Laufen weiße Salzränder zeigt. Für Läufe unter 60 bis 90 Minuten bei moderaten Temperaturen ist die Elektrolytersetzung in der Regel nicht notwendig, wenn eine normale Alltagsernährung vorliegt. Darüber hinaus, besonders im Sommer und bei langen Wettkämpfen, sind Elektrolytgetränke oder -tabletten sinnvoll.

Praktische Tipps

  • Prüfe vor dem Laufen deine Urinfarbe – hellgelb ist das Ziel.
  • Trinke nach Durst, nicht nach einem fixen Plan. Dein Körper hat ein feines Durstgefühl.
  • Bei Läufen unter 45–60 Min und normalen Temperaturen reicht Wasser vollkommen.
  • Bei Läufen über 60–90 Min, Hitze oder intensivem Schwitzen: Sportgetränk oder Wasser + Elektrolyttablette.
  • Bei Wettkämpfen unter Hitze: natriumhaltige Snacks und Elektrolytgetränke nutzen, kein reines Wasser als ausschließliche Flüssigkeit.

Fazit

Gute Hydration beim Laufen ist simpler als oft dargestellt: Trinke vor dem Lauf ausreichend (heller Urin), trinke während des Laufs nach Durst, und ersetze bei langen Läufen und Hitze auch Elektrolyte, vor allem Natrium. Die Angst vor Dehydrierung ist berechtigt – aber Überhydrierung ist ebenfalls ein reales Risiko. Der goldene Mittelweg ist keine Wissenschaft, sondern gutes Körpergefühl, das sich mit Erfahrung und ein paar Grundregeln leicht entwickeln lässt.

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