Modul 5: Ernährung im Sport

Kohlenhydrate für Läufer: Warum Carbs dein bester Freund sind

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Kohlenhydrate für Läufer: Warum Carbs dein bester Freund sind

Kaum ein Nährstoff wurde in den letzten Jahren so sehr verteufelt wie die Kohlenhydrate. Low-Carb-Diäten, Keto-Ernährung, „Zucker ist das neue Rauchen" – die Botschaften sind laut und überzeugend. Und vielleicht hast du dich selbst schon gefragt, ob du für deine Läufe nicht auch auf Carbs verzichten könntest. Die klare Antwort der Sporternährungswissenschaft: Für Läufer, die intensiv trainieren, sind Kohlenhydrate nicht das Problem – sie sind die Lösung. In diesem Artikel erklären wir, warum das physiologisch so ist, was beim Marathon wirklich passiert, und welche Kohlenhydratquellen für Läufer besonders wertvoll sind.

Warum Low-Carb beim Laufen nicht funktioniert

Das Kernproblem der Low-Carb-Strategie für Läufer liegt in der Biochemie der Energiebereitstellung. Bei niedriger Intensität (unter 55–60 % der maximalen Herzfrequenz) deckt der Körper tatsächlich einen großen Teil seines Energiebedarfs durch Fettverbrennung. Aber sobald die Intensität steigt – beim Tempolauf, beim Intervalltraining, beim Wettkampf – schaltet der Körper fast vollständig auf Kohlenhydratsverbrennung um.

Ab etwa 70 % der maximalen Herzfrequenz oder 75 % der VO2max werden Kohlenhydrate zum dominierenden Energiesubstrat. Dein Körper braucht Glukose, weil sich diese schneller zu ATP (Adenosintriphosphat, dem eigentlichen Zelltreibstoff) oxidieren lässt als Fettmoleküle. Wer Low-Carb läuft, hat buchstäblich weniger Hochoktantreibstoff im Tank – die Beine fühlen sich schwer an, der Puls schießt hoch, die Leistung bricht ein. Genau das berichten viele Läufer, die eine strenge Low-Carb-Diät ausprobieren: Die lockeren Läufe gehen noch, aber Tempo ist nicht mehr möglich.

Glykogenspeicher: Der Tank, der leerlaufen kann

Der menschliche Körper speichert Kohlenhydrate in Form von Glykogen – einer verzweigtkettigen Glukosepolymerkette – primär in der Skelettmuskulatur (etwa 400 g) und in der Leber (etwa 100 g). Das ergibt insgesamt rund 500 Gramm Glykogen, was einem Energieinhalt von etwa 1600 bis 2000 Kilokalorien entspricht.

Diese Vorräte reichen bei moderater bis hoher Laufintensität für etwa 90 bis 120 Minuten. Danach wird der Tank leer – und Läufer erleben das als dramatischen Leistungsabbruch: Das Tempo bricht ein, die Beine werden bleiern, der Kopf benebelt sich. Im Marathonlauf nennt man dieses Phänomen „die Wand" oder „den Mann mit dem Hammer", der einem bei Kilometer 30–35 begegnet. Es ist kein Schwächemoment, sondern ein biochemisches Ereignis: Der Glykogenspeicher ist erschöpft. Die einzige Prävention ist systematisches Carbo-Loading vor dem Wettkampf und kluge Energiezufuhr während des Laufens.

Glykämischer Index: Zur richtigen Zeit die richtige Kohlenhydratquelle

Nicht alle Kohlenhydrate sind gleich – der glykämische Index (GI) beschreibt, wie schnell ein Lebensmittel den Blutzucker anhebt. Für Läufer ist der Zeitpunkt entscheidend: Vor dem Lauf sind Kohlenhydratquellen mit mittlerem bis hohem GI günstig, da sie schnell verfügbar sind und den Glykogenspeicher auffüllen. Direktnach dem Lauf profitiert man von schnell verfügbaren Kohlenhydraten (hoher GI), da die erhöhte Insulinsensitivität optimale Aufnahmebedingungen schafft.

Im Alltag und bei Mahlzeiten weit vom Training entfernt sind komplexe Kohlenhydrate mit niedrigerem GI bevorzugt: Sie sorgen für gleichmäßigere Blutzuckerspiegel und enthalten zudem wertvolle Mikronährstoffe und Ballaststoffe. Ein tägliches Mahlzeitmuster, das ausgewogen ist, muss nicht streng nach GI geplant werden – aber es hilft, die Grundprinzipien zu kennen.

Praktische Tipps

  • Iss an intensiven Trainingstagen ausreichend Kohlenhydrate – versuche 5–7g KH/kg Körpergewicht täglich zu erreichen.
  • Gute alltägliche KH-Quellen: Haferflocken, Vollkornnudeln, Naturreis, Kartoffeln, Vollkornbrot, Obst, Hülsenfrüchte.
  • Direkt vor und nach dem Lauf dürfen es leichter verdauliche Quellen sein: Weißbrot, Bananen, Weißreis.
  • Low-Carb-Phasen, wenn gewünscht, nur in sehr ruhigen Trainingswochen (Regeneration, keine Intervalle).
  • „Die Wand" beim Marathon ist fast immer ein Glykogenproblem – bekämpfe sie mit Carbo-Loading und Gels, nicht mit Willenskraft.

Fazit

Kohlenhydrate sind für Läufer der unverzichtbare Primärtreibstoff – besonders bei intensiven Einheiten und langen Läufen. Wer verstanden hat, wie Glykogenspeicher funktionieren und warum Low-Carb die Intensität limitiert, trifft bessere Ernährungsentscheidungen. Die Campus-Runners-Botschaft ist simpel: Hab keine Angst vor Carbs – hab Angst davor, ohne sie laufen zu müssen.

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